Eine neue Bedrohung für unsere Hasenbestände: Die bisher als kaninchenspezifisch geltende Myxomatose tritt seit Mitte August 2024 vermehrt bei Feldhasen auf. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Wir informieren unsere Mitglieder über Symptome, Handlungsempfehlungen und die aktuelle Situation.
Verursacher der Krankheit ist eine neue Variante des Myxomavirus aus der Familie der Pockenviren. Die iberische Virusvariante wurde erstmals in Deutschland nachgewiesen und führt zu dramatischen Verlusten in den Hasenbeständen. Die Inkubationszeit beträgt nur wenige Tage und resultiert in einer extrem hohen Sterblichkeitsrate von etwa 80 Prozent.
So erkennen Sie erkrankte Feldhasen
Typische Symptome der Myxomatose sind eindeutig zu erkennen:
Stark eingeschränktes Fluchtverhalten bis hin zur völligen Apathie
Blutunterlaufene, eitrig entzündete Augen mit starken Schwellungen
Schwellungen an Maul, Nase und Augen
Schwellungen im Genitalbereich
Hautveränderungen am gesamten Körper
Das Virus wird hauptsächlich durch Stechinsekten wie Mücken, Flöhe oder Zecken übertragen. Auch direkter Kontakt zu infizierten Tieren sowie die indirekte Übertragung über Kleidung, Schuhe oder Hundepfoten ist möglich.
Unsere Handlungsempfehlungen für Jäger
Um die Ausbreitung der Myxomatose möglichst einzudämmen, empfehlen wir nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes folgende Maßnahmen:
Entnahme kranker Tiere: Sichtbar schwer kranke Feldhasen sollten auch außerhalb der regulären Jagdzeit im Rahmen von Hegeabschüssen entnommen werden, um unnötiges Leid zu verhindern. Kranke Hasen dürfen zur Seuchenbekämpfung erlegt werden.
Fallwild melden: Verendete Tiere sollten zur Untersuchung dem zuständigen Veterinäramt zugeführt oder ordnungsgemäß beseitigt werden. Die Kadaver dürfen keinesfalls offen im Revier verbleiben oder auf Luderplätze verbracht werden.
Hygiene beachten: Die gründliche Reinigung und Desinfektion von Kleidung, Schuhwerk und Jagdausrüstung nach einem Aufenthalt in betroffenen Gebieten ist besonders wichtig, um eine Verschleppung des Virus zu verhindern.
Jagdruhe erwägen: In Revieren mit vermehrtem Fallwild sollte auf Hasenjagden verzichtet werden. Bei Fasanenbesätzen empfehlen wir, Treibjagden bis vier Wochen nach dem letzten Auftreten von Myxomatose ruhen zu lassen.
Hundearbeit einstellen: Hundearbeit am Hasen und die Weitergabe von Schleppenwild aus betroffenen Gebieten sind zu unterlassen.
Tierfund-Kataster nutzen – jede Meldung zählt
Für das Erkennen von Einbrüchen bei Hasenbesätzen ist das Erfassen von Fallwild essentiell. Wir bitten alle Jägerinnen und Jäger eindringlich, besonders auf verendete Feldhasen zu achten und kranke sowie erlegte Tiere im Tierfund-Kataster einzutragen – mit Foto und dem Verdacht auf Myxomatose im Anmerkungsfeld.
Nutzen Sie dazu die kostenfreie Tierfund-Kataster-App für Android und iPhone. Jede einzelne Meldung hilft, das Ausmaß und den Verlauf des Seuchenzugs wissenschaftlich fundiert nachvollziehen zu können. Eine möglichst lückenlose Erfassung ist essentiell, um die Ausbreitung der Myxomatose regional und überregional besser beurteilen und geeignete Maßnahmen einleiten zu können.
Brandenburg noch nicht betroffen – aber Vorsicht ist geboten
Aktuell sind keine Fälle von Myxomatose bei Feldhasen im Raum Spree-Neiße und Cottbus bekannt. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit rechnet jedoch mit einer schnellen Ausbreitung in weitere Bundesländer. Vor allem im Sommer ist ein Anstieg der Fälle wahrscheinlich, da Stechinsekten dann besonders aktiv sind.
Wir appellieren an alle Mitglieder, wachsam zu sein und bei Verdachtsfällen sofort zu handeln. Nur durch konsequente Meldungen und gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen können wir unsere Hasenbestände schützen.
Kontakt bei Verdachtsfällen
Bei Fragen oder Verdachtsfällen wenden Sie sich bitte an:
Ihre örtliche Jägerschaft
Die Geschäftsstelle des KJV Spree-Neiße/Cottbus
Das zuständige Veterinäramt
Wir halten Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.
Quelle: Deutscher Jagdverband e.V.